Sie sind hier: > Rekonstruktionen
5.12.2022 : 4:40

Limitanae Pontaenenses e.V. 
Rosenheim / Obb.

© limitanae pontaenenses 
    2001 - 2022

Rekonstruktion eines Torsions-Pfeilgeschütz - TORMENTVM - der mittleren und späten römischen Kaiserzeit


Die zweiarmigen Torsions - Pfeilgeschütze (TORMENTA), wurden um die Mitte des 4. Jh. vor unserer Zeit im griechischen Kulturbereich erfunden.
Auch die Römer setzten seit dem 3. Jh. v. Chr. Katapulte der hellenistischen Standardtypen ein. Noch im 1. Jh. unserer Zeit können Pfeilgeschütze dieses Typs nachgewiesen werden.

Um 100 n. Chr. trat in den römische Waffenwerkstätten eine technische Umwälzung ein. Die Konstruktion der Geschütze wurde grundlegend verändert. Die neuen Pfeilgeschütze erhielten einen Ganzmetallrahmen, der völlig andere Proportionen aufwies als bei den bis dahin bekannten Katapulten (CATAPVLTA).
Der neu entwickelte Metallrahmen war wesentlich breiter. Die beiden Torsionsständer mit den Seilbündeln und den darin eingesetzten Wurfarmen, haben dadurch einen viel größeren Abstand zueinander.
Dadurch ergab sich eine ganz neue Anordnung der beiden Wurfarme. Im Gegensatz zu den hellenistischen Geschützen, die mit aussen schwenkenden Wurfarmen augestattet waren, haben wir es nun mit einem Katapultsystem mit innen schwenkenden Wurfarmen zu tun.
Der Vorteil der neuen Konstruktion, ein doppelt so großer Spannwinkel !
Typisch ist die Bogenstrebe (KAMARION), welche die beiden Torsionsständer (KAMBESTRION) oben miteinander verbindet. Die Leiterstrebe (KAMAKION) stellt die untere Verbindung her.

Die Funde aus Lyon, Gornea und Orsova, die der mittleren bis späten Kaiserzeit angehören, verfügen über die Merkmale der Neuentwicklung.
Ein weiterer Fund aus Hatra (heutiger Irak), Datierung: 1. Hälfte des 3. Jhd., unterstützt die These der innen schwenkenden Katapultsysteme. Zwar besteht der Spannrahmen, wie bei den alten hellenistischen Katapulten, aus Holz mit Bronzebeschlägen, die Torsionsständer haben aber einen Abstand von ca. 2m ! Der Spannrahmen hat halbrunde Aussparungen für die Wurfarme, die aber nur Sinn machen, wenn die Katapultarme nach innen gespannt werden und im abgeschossenen Zustand nach vorne ragend in diesen Ausformungen zur Ruhe kommen.
Dr. Michael Lewis (Birmingham) veröffentlichte 2003 einen Beitrag in "World of Archeology" über innen schwenkende Katapultsysteme. Ihm war aufgefallen, daß bisherige Rekonstruktionen der antiken Geschütze mit weit auseinander gestellten Torsionssystemen (Orsova, Hatra usw.), mit aussen schwenkenden Katapultarmen Unstimmigkeiten aufwiesen. Verlagert man jedoch die Katapultarme nach innen, ergeben die Konstruktionen plötzlich einen Sinn. Mit Geschützmodellen führte Lewis Versuche durch, die eine Leistungssteigerung um bis zu 50% im Vergleich zu den alten traditionellen hellenistichen Ausführungen ergaben. Im Vergleich mit den bisher fehlerhaft rekonstruierten römische Ausführungen mit Metallrahmen und aussen schwenkenden Katapultarmen, ergab sich eine Leistungssteigerung um bis zu 70%.

Anm.: Im Laufe des 2. Jh. unserer Zeit kam es zu einem Bedeutungswandel des Wortes BALLISTA. Bei Vitruv bezeichnet Ballista noch die schwere Steinschleuder, später steht das Wort für das Pfeilgeschütz und ersetzt die älteren Bezeichnungen CATAPVLTA und SCORPIO.

Angeregt durch die in Pfaffenhofen a. Inn gefundenen Geschoßspitzen von Katapult-Bolzen, entstand dieses Pfeilgeschütz.
Unser Geschütz basiert auf Funden aus Gornea / Orsova (Rumänien) und Bath (England) und entspricht in Aufbau und Größe einer "MANV BALLISTA", ein Geschütz das von einem Mann bedient werden konnte.

 

"Griechische Bauweise", aussen schwenkendes System, Holzrahmen, enger Abstand der Torsionsständer zueinander. Spannwinkel: 45°-50°
"Römische Bauweise", innen schwenkendes System, Metallrahmen, weiter Abstand der Torsionsständer zueinander. Spannwinkel: 110°-120°
Fundzeichnung verschiedener, originaler Spannbuchsen (MODIOLI) aus Bronze.
Der erste, der beiden Torsionsständer (KAMBESTRION) mit den Spannbuchsen (MODIOLI) ist fertig montiert. Die Teile für den zweiten liegen parat.
Die Leiterstrebe (KAMAKION), welche die untere Verbindung zwischen den beiden Torsionsständern herstellt, ist fertig montiert. Die Torsionsständer probeweise angesetzt.
Die fertige Bogenstrebe (KAMARION) ist eingesetzt. Somit ist der Spannrahmen komplett.
Spannrahmen und Schaft sind miteinander verbunden und die Wurfarme sind eingesetzt.
Die Geschoßbolzen.
Das fertige Geschütz auf der Lafette montiert.

Rekonstruktion eines Ringknaufschwertes


In unmittelbarer Nähe, des 1977 entdeckten Mithrasheiligtum in Mühltal, wurde das Griffende eines Ringknaufschwertes gefunden.
Anhand der Größe des Rings, wurde durch Vergleichsfunde, die ungefähren Dimensionen der Klinge, Parierstange und Angel- bzw Grifflänge ermittelt.

Zeichnung des Fundes von Mühltal
Die letzten Schmiedearbeiten
Die fertigen Ringe nach dem Schmieden, die Laschen wurden Feuergeschweißt
Ringe, überfeilt und poliert
Klinge mit der bereits fertigen Parierstange. Lasche am Ring und Angel gebohrt und miteinander vernietet
Anpassen des Beingriffes
Der fast fertige Griff
Der fertige Griff
Die fertige Spatha

Rekonstruktion eines römischen Landvermessungsinstrument "GROMA"


Bereits 2009 benötigten wir für Filmaufnahmen eine "Groma", die uns damals von A. Zimmermann (VEX LEG VIII AUG) zur Verfügung gestellt wurde. 2010 wurden wir durch ein Schulprojekt wieder damit konfrontiert. So begannen wir selber eine "Groma" zu bauen.
Zunächst benötigten wir geeignetes Holz. Es sollte frei von Ästen und gut abgelagert sein. Durch einen Zufall, bekamen wir ein Stück altes Nussbaumholz.
So machten wir uns an die Arbeit. Es wurde gesägt, gehobelt, gebohrt, gedrechselt und geleimt.
Von den fünf Senkloten wurden 2 aus Bronze und 3 aus Messing gefertigt. Nach dem Zusammenbau wurden alle Holzteile noch mit Leinöl eingelassen. Ich glaube das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Senklote
Vermessung