20.7.2017 : 22:38

Limitanae Pontaenenses e.V. 
Rosenheim / Obb.

© limitanae pontaenenses 
    2001 - 2017

BENEFICIARIER


Fälschlicherweise werden sie oft als "Straßenpolizisten" bezeichnet. Dieses Mißverständnis kommt daher, daß die Archäologie die Beneficiarier hauptsächlich an Straßenstationen ( STATIONES ) antrifft, wo sie Weihesteine errichten liessen.
Diese Straßenposten lagen an den Fernstraßen und dienten auch als Stationen für den CURSUS PUBLICUS ( staatlicher Botendienst ). 

Es handelt sich bei ihnen um Unteroffiziere - PRINCIPALES, jenes Mittelbaus der militärischen Hierarchie zwischen dem einfachen Milites Gregales und dem Centurionenkorps.
Die ranghöchste Beneficiariercharge, welche Soldaten der Legionen erreichen konnten, war die des Beneficiarius Consularis.
Sie leisteten Dienst in den Stäben sämtlicher ritterlicher (Beneficiarii Angusticlavii) und senatorischer (Beneficiarii Laticlavii) Heeresoffiziere sowie in den Officia (Büro) der meisten Statthalter und vieler Verwaltungsbeamter.
Die Versetzung eines Beneficiariers aus seiner Stammeinheit in das Officium eines Statthalters, Procurators oder eines anderen Verwaltungsbeamten, erfolgte auf bestimmte Zeit. In der Regel sechs Monate.
Die überwiegende Anzahl der BENEFICIARII CONSULARIS, BENEFICIARII PRAEFECTI und BENEFICIARII PROCURATORIS war in der Kaiserzeit vermutlich dauerhaft auf Stationes innerhalb der Provinz verteilt und dort für verschiedene administrative Aufgaben zuständig. War ihre sechsmonatige Stationsperiode abgelaufen, wurden sie auf eine andere Statio geschickt, oder ihr Stationierungsbefehl wurde einfach verlängert.
Andererseits sind diese Soldaten außerordentlich häufig in den Provinzhauptstätten nachgewiesen.
So kann man die Stationsorte in vier Kategorien einteilen:

1. in Städten
2. entlang der Aussengrenzen der Provinzen
3. an wichtigen Handelswegen, Verkehrsknotenpunkten und Häfen
4. in der Nähe von Bergbauzentren und Steinbrüchen

Beneficiarier im Dienst


Die Aufgaben eines Beneficiariers hatten je nach Lage seiner Station verschiedene Schwerpunkte.
In den Quellen wird der Einsatz als Ermittlungs- und Vollzugsbeamte sowie als Revisoren im Rahmen der Rechtspflege und der Finanzverwaltung beschrieben.
An einigen Orten arbeiteten sie mit Soldaten anderer Ränge oder Zivilangestellten der Staatsverwaltung zusammen.
Sie agierten im Vorfeld vermuteter krimineller Taten, so z. B. sammelten sie Informationen über den Aufenthaltsort von Räuberbanden, nahmen Anzeigen von Geschädigten entgegen und führten Listen über die Angehörigen der "Halbwelt", wie Spieler, Diebe, Zuhälter und Schankwirte.

Eine Inschrift aus CATARACTONIUM (Catterick/GB) dokumentiert die Zusammenarbeit eines Beneficiarius Consularis mit einem Summus Curator, d. h. mit einem Beamten, der die truppeninternen Versorgungsleistungen abrechnete.
Solche Aufgaben beweisen den stark verwaltungsspezifischen Charakter der Beneficiarierchargen.

"Auf der Suche nach Diebesgut"
Grundriß einer Beneficiarierstation am Beispiel von Obernburg am Main
Nachbildung eines Weihesteins eines Beneficiarius Consularis aus Osterburken