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20.7.2017 : 22:39

Limitanae Pontaenenses e.V. 
Rosenheim / Obb.

© limitanae pontaenenses 
    2001 - 2017

TEXTILHANDWERK


Ein schwieriges Gebiet ist der textile Bereich. Denn hier klafft die Zahl der spezialisierten, historisch belegten Handwerker und das Fundspektrum besonders weit auseinander.
Was man findet sind Werkzeuge und Geräte zur Textilverarbeitung z. B. Spinnwirtel in allen möglichen Formen und Material, Webschwerter aus Eisen, Webgewichte vom Gewichtswebstuhl und aus dem häuslichen Bereich Nähnadeln und Fingerhüte.

Die Liste der überlieferten Handwerkernamen ist beachtlich :

Weber ( TEXTOR )
Leinweber ( LINARIVS )
Seidenweber ( SERICARIVS )
Wollwirker ( LANARIVS )
Goldwirker ( BARBARICARIVS )
Wollkrempler ( CARMINATOR )
Walker ( FVLLO )
Filzwalker ( COACTILIARIVS )
Färber ( CARINARIVS oder TINCTOR )

ZIMMERERHANDWERK


Unter den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas erhalten sich normalerweise keine organischen Reste. So sind auch die Erzeugnisse des römischen Zimmermanns ( TIGNARIVS ) kaum einmal im Original in einem Museum zu betrachten.
Ausnahmen sind selten, so z. B. jener 9 m lange Schwellbalken aus einem 1980 ausgegrabenen Werkplatz am römerzeitlichen Chiemseeufer von BEDAIVM - Seebruck.

Herstellung eines Balkens mit rekonstruierten römischen Werkzeugen

Der Zimmermann und das Wasser

Die römerzeitliche Wasserversorgung war eine Ingenieursleistung auf höchstem Niveau.
Ein perfektes Netz von Druckwasserleitungen sorgte in den Städten für eine flächendeckende Frischwasserversorgung. Es bestand ein dichtes Netz an öffentlichen Laufbrunnen. Die Thermen und reichere Villen waren sogar direkt an die Wasserleitung angeschlossen.
In den nördlich der Alpen gelegenen römischen Provinzen, bestanden die im Boden verlegten Wasserleitungen zum grössten Teil aus Holz. Diese hölzernen Wasserröhren nennt man auch "Deuchel" oder "Teuchel".
Zum Bohren der 3 - 4 m langen Stämme, meißt aus Weißtanne, benötigten die Zimmerer natürlich auch entsprechend lange Bohrer in verschiedenen Größen.

Herstellung von Wasserleitungsrohren nach dem Vorbild antiker römischer Technik

SCHMIEDEHANDWERK - ARS FERRARIA

 

Das römische Schmiedehandwerk war sehr weit entwickelt und die Produktpalette entsprechend breit gefächert, egal ob Schuhnägel, hochwertige Waffen oder funktionales Werkzeug - alles wurde mit großer Perfektion hergestellt . 

Das Schmiedehandwerk war sehr spezialisiert, es gab Feinschmiede, Grobschmiede, Schmiede für Buntmetall, Waffenschmiede, Messerschmiede, Nagler - nur um einige der unterschiedlichen Berufsgruppen zu nennen .

Viele Produkte waren Massenanfertigungen und wurden in großen Schmiedewerkstätten - den fabri officinae ferraria angefertigt, ohne diese FABRICAE, die zumeist in den großen Städten angesiedelt waren, wäre an eine Deckung des Bedarfs des Heeres und der zivilen Gesellschaft sicher nicht zu denken gewesen . Darüber hinaus verfügten die römischen Gutshöfe in den Versorgungsgebäuden über eine Schmiede . Diese erzeugten Werkzeuge und andere Produkte die man auf den römischen Landgütern benötigte.

Auch in den Lagern der Legionen und Hilfstruppen sind Schmieden - FABRICAE - nachgewiesen. In ihnen wurden Waffen und Gerät ausgebesser, die Sohlennägel der römischen Militärschuhe angefetigt, Material und Werkzeug für die Liegenschaft und die stationierte Truppe produziert . Die Leitung hatte hier ein PRAEFECTUS FABRUM.

Erhöhung der Schmiedetemperatur mit dem Blasrohr.

Hier wird Bronze mal nicht gegossen sondern geschmiedet. Mit Hilfe eines hölzernen Blasrohres zur Erhöhung der Schmiedetemperatur wird die Bronze in der Lehmesse geglüht und dann im Wasser rasch abgekühlt , das macht sie weich und geschmeidig. Nach einigen Hammerschlägen kann man spüren wie die Bronze hart wird - die Prozedur geht von vorne los. Hier wird gerade ein Bronzearmreif auf diese Weise hergestellt.

Neben der gebrannten Lehmesse , dem Blasrohr und einen Eimer Wasser kommen hier als Werkzeug zum Einsatz:

- MALLEUS (Hammer)

- FORCEPS, VOLSELLA (Zange)

- LATER, TUBULUS (Barren, Rohlinge,Material)

- INCUS (Amboß)

 

Feinschmiede benutzten für ihre Arbeiten diverse Punzen und kleine Meißel mit denen sie kunstvoll umzugehen wußten. 

Auch ein wichtiges Werkzeug: das Feuerzeug. Kleiner Lederbeutel aus Ziegenleder, gefüllt mit Schlagstein, Zunder in ein Blatt gewickelt, Ösenfeuerstahl sog. kontinentaler Typ, den man häufig im Fundgut wie z. B. in Illerup-Ådal antrifft.