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22.11.2017 : 21:02

Limitanae Pontaenenses e.V. 
Rosenheim / Obb.

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MITHRAS

 
Eine archäologische Sensation stellt das von der damaligen Prähistorischen, heute Archäologische Staatssammlung München, in den Jahren 1978 - 1980 ergrabene Mithrasheiligtum dar.
Die Funde belegen die Mithrasverehrung von der Mitte des 2. Jhd. bis Anfang des 5. Jhd. unserer Zeit.

Der Gott Mithras ist persischen Ursprungs. Soldaten, Händler, Reisende, Beamte und Sklaven brachten den Mithraskult nach Italien, in den Donauraum und den ganzen Limes entlang bis an den Rhein und nach Britannien.

Vor allem die Soldaten, unter denen die Mithrasverehrung ihre Hochblüte erlebte, sahen in Mithras ihren besonderen Beschützer, der durch den häufigen Wechsel der Kaiser, im 3. Jhd., die Stabilität des Imperiums verkörperte. Sie fühlten sich als Streiter des Mithras im Kampf des Guten gegen das Böse.

Der römische Mithras ist der Unbesiegte Sonnengott, ist SOL INVICTVS .
Die Geburt des Mithras, des Lichts, des Sonnengottes, wurde am 25. Dezember, zur Wintersonnenwende gefeiert.

Der Mithras - Kult ist ein Beispiel für den Bilderreichtum der Antike und die Wirkung von Symbolen, die uns durch die zahlreich gefundenen Reliefs vermittelt werden. Darauf dargestellt finden wir das heilbringende Wirken von Mithras, die mit der Geburt beginnt und mit der Himmelfahrt endet, einen Altar auf dem das Licht entzündet wird, einen Mischkrug für Wasser und Wein, den Lebensbaum und die Gefährten des Mithras, die beiden Fackelträger Cautes und Cautopates, die "Himmelswächter".

Im Zentrum der Kult - Bilder wird seine größte Tat dargestellt, die Tötung des Urstieres. Es geht dabei aber nicht um Vernichtung, der Stier wird geopfert zur Erneuerung des Lebens der Welt. Aus seinem Blut und Samen regenerieren sich alle Bereiche der Erde, verkörpert durch die Tiere.

Die Mithrasmysterien besaßen ein System von sieben Stufen, den Weihegraden, die den sieben Planetensphären, Mond, Merkur, Mars, Venus, Saturn, Jupiter und Sonne entsprachen, also eine Art Sternenreligion, eine Kosmologie.
Der Myste trat bei seinen Einweihungen jeweils eine Seelen- und Himmelsreise an, bei denen er die "Himmelsleiter" eine Stufe nach oben stieg.

Brot und Wein bildeten im Mithras - Kult den zentralen Bestandteil der Kulthandlung, zu der sich die Mysten regelmäßig in ihren Heiligtümern versammelten.
Aufgrund der Rolle von Wasser und Wein finden sich häufig Mischkrüge, sogenannte Kratere, wie denjenigen der bei den Ausgrabungen des Mithräums in Mühltal gefunden wurde.

Innenraum eines Mithräum mit dem Kultbild an der Stirnseite ---- Quelle: Museum Quintana-Archäologie in Künzing.

400 n. Chr. waren die meisten Mithräen bereits zerstört.
Nördlich der Alpen, an der raetisch - norischen Grenzstation und Innbrücke, heute nördlich von Rosenheim gelegen, existierte zu diesem Zeitpunkt eines der wenigen noch bestehenden Mithräen. Es war vermutlich in der Mitte des 2. Jhd. n. Chr. von Beamten des illyrischen Zolls, in der norischen Siedlung AD ENUM, gegründet worden. Die Reihe der Fundmünzen endet mit Prägungen kurz nach 400, also bereits einige Jahre nach dem offiziellen Verbot nicht christlicher Kulte unter Kaiser Theodosius im Jahre 392 .
Das dürfte die internationale Bedeutung des 1978 entdeckten Mithrasheiligtum in Mühltal noch zusätzlich unterstreichen.

Modell des Mithräum von Mühltal am Inn
Mischkrug aus dem Mithräum von Mühltal, aus Terra Sigillata mit Barbotinauflage, hergestellt in den Töpfereien von Pons Aeni. Inschrift des Herstellers und Stifters: DEO INVICTO MITRAE MARTINVS